• Die Branche versucht auch auf europäischer Ebene, sich von den Banken abzugrenzen und deutlich zu machen, warum ihr Geschäftsmodell weniger und wenn, dann andere regulative Eingriffe benötigt.
  • Versicherer sind kein systemisches Risiko

  • Bei der Gestaltung der Finanzaufsicht nach der Finanz- und Wirtschaftskrise müssen die Unterschiede zwischen Versicherer und Banken berücksichtigt werden. So die Kernaussage im Bericht der CEA. Die CEA ist der Europäische Dachverband der Erst- und Rückversicherer.
  • Der Bericht wurde unter dem Titel "Insurance a unique sector - Why insurers differs from Banks", übersetzt "Versicherung ein unverwechselbarer Sektor - was Versicherer von Banken unterscheidet", im Juni 2010 veröffentlicht. Der Zeitpunkt war kein Zufall, da das Treffen der G 20-Staaten mit dem Thema Regulierung der europäischen Finanzmärkte anstand.

    Bislang hatten europäische Regulierungsvorschläge Versicherer und Banken häufig in einen Topf geworfen. Dazu sind die Geschäftsmodelle aber zu unterschiedlich.

    Die Versicherer, deren Geschäftsmodell längerfristig ausgerichtet ist, haben die Finanzkrise nicht ausgelöst, sie haben sich im Gegenteil als stabilisierender Faktor in der Krise bewährt. Im Gegensatz zu Banken gehen von ihnen keine systemischen Risiken aus. Ähnlich hatte sich in der Vergangenheit auch schon The Geneva Association geäußert.

    Die wenigen Gemeinsamkeiten hätten abgenommen
    Der CEA-Bericht zählt auch einige Gemeinsamkeiten von Banken und Versicherungen auf. Die auffällige Besonderheit scheint hier in der unterschiedlichen Entwicklung zu liegen.

    Beide Systeme erhalten das Geld vom Kunden. Die Versicherer nutzen diese Liquidität, in Europa aktuell laut CEA ein Beitragsvolumen von 1.050 Milliarden Euro pro Jahr, um streng kalkulierte Rücklagen zu bilden. Die Assekuranz in Europa investiert 6.800 Milliarden Euro pro Jahr in die Wirtschaft. Beide Systeme haben in der Finanzkrise laut dem CEA-Bericht öffentliche Mittel erhalten. Die Hilfe betrug für Versicherer zehn Milliarden US-Dollar, für die Banken mit 11.000 Milliarden US-Dollar ein Vielfaches.

    Banken verwenden die Einlagen der Kunden, um ihr Eigenkapital für Engagements am Kapitalmarkt aufzustocken. Das Ziel sei, eine möglichst hohe Rendite auf das Kapital in kurzer Zeit zu erzielen.

    Gemeinsam ist, dass beide Systeme jeweils einer Aufsicht unterliegen. Unterschiedlich entwickelt sind allerdings die Kriterien und Methoden dieser Kontrolle. Anlagevorschriften, Stresstest und Risikoszenarien sind nicht identisch.

    Risikoprofile und Verbraucherschutz
    Der CEA-Bericht zeigt, dass ein großer Unterschied in der Definition der Geschäftsfelder liegt. Versicherer definieren klar, was sie in der Lebensversicherung, Krankenversicherung oder der Schaden- und Unfallversicherung leisten wollen.

    Das Tätigkeitsfeld der Banken ist nicht eingegrenzt und reicht von dem klassischen Geschäftsfeld der Spareinlagen zur Finanzierung von Ausleihungen bis zur Betätigung als Investment-Bank, wo in unterschiedlichste Bereiche investiert und spekuliert wird.

    Einzelne Banken könnten dabei Marktrisiken eingehen, die alle Banken gefährden. In der Finanzkrise konnte ein Kollaps nur durch den massiven Einsatz von Steuermitteln verhindert werden.

    Im Verbraucherschutz unterliegen die Versicherer strengen Vorschriften für die Unternehmen, aber auch die Vermittler von Versicherungen werden überwacht. Bei Banken ist dies vergleichbar kaum der Fall.

    Versicherer bilden starke Kollektive
    Der Schwerpunkt der Versicherungswirtschaft ist die Erfassung von Risiken, die Einordnung in Geschäftsfelder, die Auswertung von Statistiken und verfügbaren Daten und die Kalkulation von risikogerechten Prämien nach mathematischen Methoden.

    Die Versicherer sorgen dann für den Transfer der Risken auf ein Kollektiv, die Gemeinschaft der Versicherten, die ständig durch qualifizierte Versicherungsvermittler erweitert und betreut wird.

    Der Gefahr von Großrisiken und Schadenhäufungen begegnen die Erstversicherer durch eine teilweise oder vollständige Rückversicherung. Nach dem Gesetz der großen Zahl, Mathematik, Datenerhebung und Forschung werden die Risiken so atomisiert und für alle tragungsfähig.

    Suchen Banken kurzfristige Gewinne?
    Der Schwerpunkt bei Banken sei eine möglichst hohe Rendite unter Risiko in kurzer Zeit. Dies gilt auch bei einfachsten Anlageformen wie dem Tagesgeldkonto. Aber auch hier zeigte sich am Beispiel der isländischen Banken, dass die Gefahr besteht, dass die Liquidität bei in Europa an Endverbraucher verkauften Bankprodukten nicht immer gesichert sei.

    Die Risiken bei Investments über Banken würden laut dem Bericht vor allem in der mangelnden Transparenz der Struktur der einzelnen Portfolios und Assets liegen. Kritisch angemerkt wird, dass der Name oder die Produktbezeichnung wenig über die Struktur der Anlage und Bedingungen aussage.

    Der gewichtigste Unterschied dürfte laut dem Bericht im Geschäft unter Banken liegen. Hier würden ohne Transparenz die größten Risiken eingegangen, und hier sei auch die Ursache für die Finanzkrise zu suchen.

    Lehrreiches Sprachtraining
    Der Bericht ist nur in englischer Sprache verfügbar, aber aufgrund zahlreicher Grafiken und Schaubilder sehr aussagekräftig. Der englische Originaltext ist ein gutes Sprachtraining für Leser, da alle wichtigen Fachbegriffe der Assekuranz und Banken vorkommen und im Glossar erläutert und definiert werden.

    Der Bericht steht unter folgendem Link als PDF zum Download: CEA-Report "Insurance a unique sector - Why insurers differs from Banks".

    [05.08.10; vj]
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  • Stand: 31.08.2010 
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